Sie haben es sicher den Nachrichten entnommen: Die böse ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel hat Schleichwerbung für Weight Watchers gemacht und ist daraufhin „konsequent“ vom ZDF entlassen worden. So wurde es medienwirksam verbreitet, um den Anschein zu erwecken, die öffentlich-rechtlichen Sender gingen tatsächlich gegen Schleichwerbung vor.
Aufmerksamen Zuschauern dürfte es indes nicht entgangen sein, dass Schleichwerbung und interessengeleitete Propagandasendungen kein Einzelfall im deutschen Fernsehen sind, wie jetzt suggeriert werden soll. Allein auf dieser noch jungen Webseite finden Sie einige Beispiele dafür. Eine wesentlich umfassendere (aber keineswegs vollständige) Auflistung hat Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten vorgelegt – machen Sie sich selber ein Bild.
Tatsächlich ist es heute gängige Praxis, dass diverse Printmedien und die öffentlich-rechtlichen TV-Sender (die Privaten müssen nicht extra erwähnt werden) Schleichwerbung und Propagandabeiträge drucken bzw. ausstrahlen (siehe zum Beispiel hier oder hier). Wenn Frau Kiewel nun also so medienwirksam entlassen wird, weil sie Schleichwerbung gemacht hat, liegt nun die Frage nahe, wieso all die anderen Werbeträger und Werbefilme nicht genauso scharf verurteilt werden. Dass Weight Watchers nun nichts mit der für uns Bürger katastrophalen neoliberalen Umwälzung zu tun hat – ganz im Gegensatz zu all den anderen Propagandasendungen zu Themen wie der „privaten Altersvorsorge“, der „Privatisierung von Staatseigentum“, den „faulen Arbeitslosen“ und so weiter und so fort -, ist da sicher nur ein Zufall – oder?
Es liegt doch auf der Hand, dass angesichts der massenhaften Verbreitung von Propaganda in deutschen Massenmedien hier ein Bauernopfer dargebracht wird, das den Zuschauer eben davon ablenken soll, dass Propaganda allgegenwärtig ist. So wird versucht, die ständig wiederholten Werbebotschaften der marktradikalen Zerstörer noch glaubhafter erscheinen zu lassen – nach dem Motto: „Seht her, wir verfolgen Schleichwerbung gnadenlos, ihr könnt uns also vertrauen und glauben!“
Tun Sie das nicht. Sperren Sie weiterhin Ihre Augen und Ohren auf und seien Sie sehr skeptisch, wenn die Massenmedien Ihnen scheinbare Informationen präsentieren. – Sicherlich ist es schäbig, was Frau Kiewel offenbar getan hat. Aber der Schaden, den sie dadurch angerichtet hat, ist gemessen an dem, was die neoliberale „Elite“ uns antun will und bereits angetan hat, so verschwindend gering, dass ein Vergleich gar nicht statthaft ist. Albrecht Müller meint dazu:
„So schlimm die PR-Geschichte von Frau Kiewel und ihren Weight Watchers auch ist, da geht es allenfalls um einige 100.000; bei der unterschwelligen und direkten Werbung für die Versicherungswirtschaft und die Finanzdienstleister geht es um Milliarden.“
Der Schleichwerbung für Weight Watchers werden Sie nun vielleicht nicht mehr ausgesetzt sein, wenn Sie Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens anschauen. Aber massive neoliberale Propaganda wird Ihnen weiterhin verdeckt serviert werden.