Hans Weingartner: “Der Pöbel wird mit Müll gefüttert”

3 12 2007

Hans Weingartner, deutsch-österreichischer Regisseur der Medien-Kinosatire “Free Rainer”, äußert sich im Schweizer St. Galler Tagblatt über Quotenterror, krank machendes (auch öffentlich-rechtliches) Fernsehen und dumme Idole.

Man mag über diesen Film des Herrn Weingartner denken, was man will: Seine Aussagen in diesem Interview des St. Galler Tagblatts sind es allemal wert, eine weite Verbreitung zu finden. Insbesondere seine Hinweise auf die perversen Umtriebe des Bertelsmanns-Konzerns und seine Schlussfolgerungen daraus können gar nicht oft genug wiederholt werden.

Ein kurzer Auszug:

Weingartner: Das ist absurd und pervers, dass mit den TV-Gebühren Telenovelas, die nichts als verfilmte Schundhefte sind, und Shows produziert werden, die so unterirdisch schlecht sind, dass nicht mal Affen etwas davon profitieren könnten. Es ist ein Skandal, es ist ein Betrug an den Menschen, so etwas auszustrahlen. Und Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, ist ein Verbrecher, er sollte sich schämen.

St. Galler Tagblatt: Darf ich das so zitieren?

Weingartner: Natürlich, das sollen Sie sogar so zitieren. Aber Sie haben mich unterbrochen, ich wollte anfügen, dass Herr Struve genauso schlimm ist wie Liz Mohn, die Chefin von Bertelsmann. Dieser Verlag betreibt neben seinen klassischen Musikprogrammen mit RTL einen Sender, der Millionen von Menschen in den Gehirntod treibt. Das ist für mich der Gipfel der Heuchelei, dieses typische Elitedenken: wir haben unsere Schlösser, wir gehen in die Oper, und draussen, vor der Oper, da ist der Pöbel. Und der wird mit Müll gefüttert, womit man dann viel Geld verdient. Dabei sind die Hersteller des Mülls nicht dumm, sondern gebildet, die wissen genau, was sie machen. Und dann muss man sich auch mal anschauen, wer die Idole der heutigen Gesellschaft sind.”

Über die neoliberalen Machenschaften der Familie Mohn und des Bertelsmanns-Konzerns ist schon viel geschrieben worden. Anders sieht es leider aus in Bezug auf das ins Bodenlose sinkende Niveau der öffentlich-rechtlichen Sender. Wäre es nicht endlich einmal an der Zeit, dass hier angesetzt und nachhaltig nachgefragt wird, wieso die öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Auftrag nicht mehr nachkommen und trotz der Rundfunkgebühren in großen Teilen ein Programm inklusive Werbung anbieten, das dem Verblödungsmechanismus der privaten Sender in nichts nachsteht und das weder informativen, noch kulturellen Wert hat?

Wo bleiben die ARD-Brennpunkte, die uns um 20:15 Uhr über die verfassungsfeindlichen, zerstörerischen Absichten des Herrn Schäuble (CDU) unterrichten? Wo sind die ZDF-Sondersendungen, die vom großen kapitalistischen Staats- und Systemumbau berichten, der seit Jahren stattfindet, ohne dass die Massenmedien ihn kritisch begleiten?

Für billige Unterhaltung, Propagandasendungen und dumme Shows sind die GEZ-Gebühren jedenfalls ganz sicher nicht gedacht. Und Herrn Weingartner ist zuzustimmen, wenn er sagt, die verantwortlichen Programmdirektoren sollten sich schämen. Aber lesen Sie das gesamte Interview.


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