Der Beginn eines Niedergangs: Kohl und die Privatisierung des Fernsehens in den 80ern

20 11 2007

Viele wissen es heute vielleicht nicht mehr, aber eines der folgenreichsten “Projekte” des damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU) in den 80er Jahren war die Kommerzialisierung des bis dahin rein öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Begründet wurde das vor allem mit dem daraus angeblich resultierenden “kulturell wertvollen” und “viel breiter gefächerten” Angebot, aus dem der Zuschauer dann auswählen könne. Entsprechend wurden die öffentlich-rechtlichen Sender im Vorfeld von der Politik und Lobbyisten niedergemacht und als “verstaubt” und “nicht mehr zeitgemaß” verschrien (Parallelen z.B. zur heutigen gesetzlichen Rente, die ja auch privatisiert werden soll bzw. zum Teil schon privatisiert worden ist, sind gewiss nicht zufällig).

Und was stellen wir heute, 20 Jahre später, fest? Was ist aus den politischen Versprechungen der Kohl-Regierung geworden? Genießen wir heute ein kulturell wertvolles Programm und können aus einem breit gefächerten Angebot wählen? Die Antwort ist ein klares, erschütterndes Nein. Das kulturell Wertvolle finden wir - wenn überhaupt im Fernsehen - weiterhin einzig auf öffentlich-rechtlichen Sendern. Und die vielbeschworene Vielfalt des Privatfernsehens ist doch nichts weiter als die Wahl aus immer mehr dumpfen, inhaltlosen Sendungen, dümmlichen Shows, Hollywood-Filmen und amerikanischen Serien. Wo findet man im deutschen Fernsehen hochwertig(er)e Spielfilme und Dokumentationen aus Deutschland und all den anderen Ländern Europas und der Welt? Richtig - wenn überhaupt, dann im öffentlich-rechtlichen Programm - wenngleich auch oft gut versteckt in so genannten “Nischensendern” zu unheiligen Uhrzeiten.

Das alles hat man damals in den 80ern natürlich längst gewusst. Ein Blick über den großen Teich nach Amerika hat ja ausgereicht, um das zu erkennen, denn da gab es die “große Vielfalt” des kommerziellen Fernsehens ja längst. Verschwiegen bzw. verneint hat man es dennoch. Aus guten Gründen, denn natürlich gab (und gibt) es da viel Geld zu verdienen - natürlich auf Kosten der Zuschauer und der Qualität, aber das sind ja unerhebliche Komponenten für diejenigen, denen das Geld in die Taschen fließt.

Heute stehen wir also einer geballten, politisch gewollten Medienmacht gegenüber. Der Wettlauf in den qualitativen Abgrund, dem sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender längst angepasst haben, geht unaufhörlich weiter. Privatfernsehen verkommt zu einer Dauerwerbesendung, unterbrochen von einigen möglichst billig produzierten Sendungsschnipseln, und die einst scharfe Trennlinie zwischen Journalismus und Werbung existiert dort längst nicht mehr.

Eine schöne neue, bunte Werbe- und Propagandawelt haben uns der liebe Herr Kohl und seine Mitstreiter beschert - vielen Dank dafür!


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